Artists in Residence: Andrés Pereira Paz

Ausstellungseröffnung

Eröffnung der Ausstellung "Radio Carabuco" von Andrés Pereira Paz im Künstlerhaus Bethanien

 

Ausstellung vom 24. Mai bis 16. Juni 2019 (Eintritt frei)

 

Künstlerhaus Bethanien, Kottbusser Strasse 10, 10999 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag, 14-19 Uhr

 

Das Ausstellungsprojekt Radio Carabuco im Künstlerhaus Bethanien entfaltet sich ausgehend von dem von Andrés Pereira Paz kreierten Podcast-Sender gleichen Namens. Ausgangspunkt sind die kritischen Reflexionen des bolivianischen Künstlers über das Gemälde einer Höllenvision des Malers José López de los Ríos, das im Auftrag der katholischen Kirche 1664 während der Kolonialzeit in der Anden-Gemeinde Carabuco entstand und heute noch in der dortigen Kirche zu sehen ist. Da europäische Gravuren in der Kolonialzeit weit verbreitet waren, gleichen die synkretischen Darstellungen von "Ruhm", "Fegefeuer" und "Hölle" teils den Gravuren des französischen Künstlers Philippe Thomassin aus dem frühen 17. Jahrhundert und zeigen den damaligen Austausch von Bildmotiven auf.

Wie in vielen anderen Gemälden der Zeit wurde das christliche Motiv zum Zweck der 'Heidenbekehrung' durch die spanische Kolonialmacht und als Propaganda für die Heilsbotschaft des Katholizismus nach Lateinamerika überführt. Vor diesem Hintergrund stellt Pereira Paz in einer Reihe von Podcast-Beiträgen die Frage nach den Formen und Auswirkungen religiöser und kultureller Kolonialisierung und untersucht verschiedene politische wie gesellschaftliche Perspektiven, insbesondere mit Blick auf seine Heimat Bolivien. Zentral ist dabei der Aspekt der Verteufelung und Unterdrückung alles 'Andersartigen'.

Pereira Paz hat den Ausstellungsraum als Setting für das Hören konzipiert und gemeinsam mit internationalen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen spezielle thematische Audioarbeiten und Podcasts produziert (Gabriel Acevedo Velarde, Ana Alenso, David Aruquipa Perez, Stanislaw Czaplicki, Elia Nurvista, Liv Schulman); entstanden sind Beiträge über das Erstarken rechtsextremer Parteien in Europa, LGBTQIA+ Performances in bolivianischer Folklore, evangelikale Christen in Südamerika, Extraktivismus u.a.

Auf diese Weise stellt der Künstler die Frage, ob die Konstruktion der westlich tradierten Vorstellung von „Hölle“ als symbolischer Ort des aktiven Widerstands gegen Propaganda, Zensur und Diskriminierung fungieren kann, den es bestmöglich zu verteidigen gilt – ruft doch die Erde und das Unterirdische in der traditionellen bolivianischen Kultur eben nicht Verderben oder Unheil auf; Pachamama bedeutet vielmehr die große Mutter Erde und ewiger Quell des Lebens.

Die Audio-Installation im Künstlerhaus Bethanien wird ergänzt durch eine Auswahl von Bildern aus dem Archiv "David Aruquipa Perez and Comunidad Diversidad" sowie eine objektbasierte Installation des Künstlers.

Podcasts und Audioarbeiten sind ab dem 24. Mai online verfügbar: www.radiocarabuco.com

Andrés Pereira Paz wurde 1986 in La Paz, Bolivien geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er an der Academia Nacional de Bellas Artes Hernando Siles in La Paz sowie an der Universidad Nacional de Tres de Febrero und am Centro de Investigaciones Artísticas (CIA) in Buenos Aires, Brasilien. Zudem arbeitete er im Atelier namhafter Künstler wie Roberto Valcárcel und Diana Aisenberg.

 

Derzeit ist er als Stipendiatin der KfW Stiftung im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms im Künstlerhaus Bethanien zu Gast. | www.andrespereirapaz.com

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