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    Talya Lubinsky, If we burn, there is ash, Installationsansicht Wits Anthropology Museum, Johannesburg, 2016. Courtesy of the Artist.

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Talya Lubinsky 2019/20

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Über Talya
Ausstellung
Katalog

Talya Lubinskys Arbeit beschäftigt sich auf forschende Weise mit elementaren Materialien, die als offene Bedeutungsträger poetischer Botschaften hervortreten und dadurch Kontexte und Historie gestalten. In ihrer Ausstellung, If we burn, there is ash (Johannesburg, 2016) werden die Materialien Asche und Zement verwendet, um die potentiellen Auswirkungen von Feuer und Verbrennung und deren Bezug zu kolonialen Sammlungen materieller Kultur zu untersuchen. Die Arbeit Floating Bodies (Bayreuth, 2017) setzt sich mit einer Erzählung aus einem Familienarchiv auseinander und verwendet Sandsäcke als Metapher des menschlichen Imperativs, Barrieren gegen die natürliche Kraft einer Flut zu errichten, welche hier als eine historische Kraft gedacht wird.

Ihr aktuelles Projekt beschäftigt sich mit dem Friedhof und den Themen des Verfalls und der Verwesung, in einer Umgebung, die dem Gedenken und der Erinnerung gewidmet ist.

Die Künstlerin, Talya Lubinsky, kommt aus Johannesburg. Sie ist Doktorandin des Center for Humatities Research an der Fakultät für Geschichte der University of the Western Cape in Kapstadt.

Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien, Berlin: 17.1. - 9.2.2020, Eröffnung: 16.1.2020.

 

Marmorstaub ist gleichermaßen beständig wie vergänglich – ebenso wie unsere Knochen: Talya Lubinskys Arbeiten sind eine Reflexion über das in Gedenkstätten und Friedhofslandschaften verkörperte Zusammentreffen von Beständigkeit und Zerfall. An jenen Orten trifft das scheinbar Dauerhafte auf die Flüchtigkeit des zerfallenden Körpers. Ausgehend von dieser inhärenten Spannung stellt Lubinskys Arbeit Fragen im Hinblick auf Verlust und Rückgabe, Abwesenheit und Präsenz.

Ihre Recherchen über Friedhöfe in Südafrika führten Lubinsky zu einem Friedhof im nördlich von Pretoria gelegenen Township Mamelodi. Der Mamelodi Cemetery ist Bestattungsort von schwarzen politischen Gefangenen, die durch den Apartheidstaat in den 1960er Jahren zum Tod durch Erhängen verurteilt wurden, und ein Armenbegräbnis ohne Grabstein erhielten. Zwischen 2016 und 2019 wurden die sterblichen Überreste der ermordeten Aktivisten exhumiert und ihren Familien zurückgegeben. Fast 60 Jahre nach der Bestattung waren die Knochen nahezu zu Staub zerfallen, nicht mehr unterscheidbare, mit der Erde vermischte Partikel. In einigen Fällen wurden daher Haufen von Erde den Grabstätten entnommen, in Särgen gelagert und den Familien übergeben. In den heute noch funktionierenden Friedhofsbüros befinden sich Seiten alter Registraturbücher mit Grabnummern, Namen und Daten über den Raum verstreut und in Kartons gestapelt. Das Papier ist zerrissen und teils zerfallen.

Für ihre Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien hat Lubinsky die Konturen dieser zerfallenden Seiten nachgezeichnet und aus Marmorplatten herausgeschnitten, die sie anschließend im Ausstellungsraum anordnet. Die Fragilität der Papierarchive wird verkehrt, indem sie in Marmor wiedergegeben werden, einem häufig für Grabmale verwendeten Stein. Marmor ist zugleich eine Substanz, die aus dem Kalzium von Knochen und den Schalen von Meerestieren besteht, die durch Hitze und geologische Veränderungen über die Zeit verdichtet wurden. Diese spezifischen Materialeigenschaften werden durch Lubinskys Arbeiten zu einem Vehikel für das Nachdenken über ihre Bedeutung. Lubinsky betrachtet den Prozess des Ausgrabens und Zurückgebens des fast vollständig zerstörten Materials als ein kraftvolles Symbol für das Verlorengegangene: die Unmöglichkeit der Rekonstitution und Restitution einerseits und die tief empfundene Geste der Rückgabe als Anerkennung des geschehenen Unrechts andererseits.

Talya Lubinsky, geboren 1988, ist eine Künstlerin aus Johannesburg, Südafrika. Lubinsky graduierte mit Auszeichnung von der Wits University in Johannesburg, Südafrika, und ist derzeit PhD Kandidatin im Department of History am Centre for Humanities Research der University of the Western Cape, Kapstadt. Einzelausstellungen u.a.: Floating Bodies, Iwalewahaus, Bayreuth, (2017), If we burn, there is ash, Wits Anthropology Museum, Johannesburg und Between Mess and Order, The Point of Order, Johannesburg (2015). Ausgewählte Ausstellungsteilnahmen: Nesting Narratives, GoetheonMain, Johannesburg (2014) und Out of Thin Air, Stevenson Gallery, Kapstadt (2012). Derzeit ist sie als Stipendiatin der KfW Stiftung im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms im Künstlerhaus Bethanien zu Gast.

www.talyalubinsky.com

 

Stipendiat*innen der KfW Stiftung im Künstlerhaus Bethanien sind 2020/ 2021 auch Gladys Kalichini (Sambia), Hamlet Lavastida (Kuba) und Daniel Lie (Brasilien).

Video by Courtesy of the artist

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (englisch).